Notizen zu meinen laufenden Arbeiten
Der Beginn eines neuen Jahres ist für mich weniger Anlass für Ankündigungen als für eine Standortbestimmung. Dieser Text soll keinen Ausblick im Sinne von Terminen oder Ergebnissen geben, sondern den Rahmen beschreiben, in dem meine Arbeit 2026 stattfindet. Es geht um Arbeitsweise, um Schwerpunkte und um Entscheidungen, die ich treffe – auch wenn sie nicht unmittelbar sichtbar sind.
Grundhaltung 2026
2026 ist kein Jahr der schnellen Veröffentlichungen. Im vergangenen Jahr habe ich eine Ausbildung im Bereich Prosa abgeschlossen. In diesem Rahmen sind mehrere Texte entstanden, die vor allem eines geleistet haben: Figuren sind präziser, eigenständiger und belastbarer geworden. Diese Arbeit hat meinen Blick auf das Schreiben weiter verschoben – weg vom reinen Output, hin zur Entwicklung.
Schreiben verstehe ich zunehmend als einen Prozess, der Zeit, Wiederholung und Korrektur braucht. Nicht jeder Text ist ein Schritt Richtung Veröffentlichung. Manche sind notwendig, um Zusammenhänge zu verstehen, Figuren zu prüfen oder Strukturen zu verwerfen. Ein Teil dieser Texte wird am Ende verworfen.
Einordnung für Leserinnen und Leser
Meine Texte richten sich zunehmend an Leserinnen und Leser, die sich für Geschichten interessieren, in denen Figuren keine guten Optionen haben. Die Stories, an denen ich arbeite, stellen Menschen in Situationen, in denen jede Entscheidung einen Preis fordert – sozial, psychologisch oder strukturell. Kontrolle schützt hier nicht dauerhaft, und Freiheit entsteht nicht ohne Verlust. Konflikte werden nicht durch Einsicht oder Auflösung beendet, sondern entwickeln sich weiter und fordern die Figuren erneut. Wer erwartet, dass Spannung erklärt oder entschärft wird, wird hier wenig finden. Wer bereit ist, Entscheidungen auszuhalten, die auch im Nachhinein nicht eindeutig richtig sind, kann diesen Arbeiten folgen.
Woran ich arbeite
Aktuell entstehen mehrere Projekte parallel. Sie sind thematisch miteinander verbunden, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen. Der Schwerpunkt liegt klar auf Figuren, ihren Beziehungen und den Dynamiken, in denen sie handeln. Mich interessieren weniger einzelne Szenen als die Systeme, in denen diese Figuren handeln müssen.
Ein wiederkehrender Fokus liegt auf Machtverhältnissen: darauf, wie Menschen in Strukturen mit ungleicher Machtverteilung bestehen, sich anpassen oder geformt werden. Wie sich diese Arbeit auf Figurenebene konkret niederschlägt, lässt sich exemplarisch an einem abgeschlossenen, bewusst reduzierten Text zeigen:
https://michaelsell-schreibwelt.de/die-stillen-felder-aus-der-reihe-silent-power/
Triarchia – warum es Zeit braucht
Ein Teil dieser Arbeit mündet in Triarchia. Dabei handelt es sich um ein Buch, das eine in sich geschlossene, dystopische Welt umfasst, mit Figuren, die sich unter extremen Bedingungen entwickeln. Der Rahmen ist ambitioniert, aber gerade deshalb geeignet, komplexe Ideen konsequent auszutragen.
Die Welt von Triarchia besteht aus unterschiedlichen Sphären mit jeweils eigenen Menschenbildern und Herausforderungen. Die Komplexität entsteht nicht durch Umfang, sondern durch Wechselwirkungen zwischen diesen Ebenen. Eine erste Einführung in diesen Weltrahmen ist hier zu finden:
https://michaelsell-schreibwelt.de/einfuehrung-die-welt-von-triarchia/
Ich befinde mich in diesem Projekt in einer Findungsphase. Neue Ideen entstehen, andere werden verworfen. Dieser Prozess lässt sich nicht abkürzen, ohne die innere Logik zu beschädigen.
Parallele erzählerische Arbeit
Neben diesem größeren Rahmen ist ein Romanentwurf entstanden, der näher an einzelnen Figuren bleibt. Im Zentrum steht unter anderem ein Künstler, der unter Überforderung nach Freiheit sucht – und diese paradoxerweise durch den Verzicht auf Freiheit zu finden versucht.
Der Fokus liegt dabei auf innerer Mechanik statt auf äußerem Plot. Rollen, Kontrolle und Abhängigkeit sind zentrale Fragen. Wie sich Macht dabei nicht nur in Beziehungen, sondern auch in öffentlichen Formen und Erwartungen manifestiert, habe ich in einem kurzen, formal begrenzten Text untersucht:
https://michaelsell-schreibwelt.de/nur-ein-interview/
Diese Arbeiten sind alle noch in der Entwicklung. Ich habe im letzten Jahr gelernt, dass sich in dieser Zeit noch vieles ändert: Handlung, Bewertung, Motivation der Figuren. Deshalb kündige ich hier noch nichts an und lege mich nicht fest.
Trennung von Entwicklung und Veröffentlichung
Aus dem ersten Buch habe ich vor allem eines gelernt: Veröffentlichung braucht Reife und Zeit. Diese Erfahrung prägt meine Entscheidungen. Neben der Arbeit an Figuren und deren Entwicklung möchte ich 2026 gezielt auch meine Fähigkeiten im Bereich psychologischer Spannung und struktureller Plotgestaltung vertiefen. Weiterlernen ist dabei kein Umweg, sondern Teil des Prozesses.
Konsequenz für diesen News-Bereich
Für diesen News-Bereich bedeutet das: Wenn etwas erscheint, dann entweder, weil es einen klaren Stand widerspiegelt oder um einen klaren Arbeitsstand zur Diskussion zu stellen – nicht, weil ein Rhythmus eingehalten werden muss.
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