
Der fremde Blick
Zwei Lektoratsrunden für meine neue Erzählung — über den blinden Fleck des Autors, warum mein Protagonist zu viel wusste, und was ein fremder Blick sieht.

Zwei Lektoratsrunden für meine neue Erzählung — über den blinden Fleck des Autors, warum mein Protagonist zu viel wusste, und was ein fremder Blick sieht.

Es gibt Figuren, die man erfindet. Und es gibt Figuren, die man findet – irgendwo zwischen einer Beobachtung, einer Frage und dem eigenen Unbehagen. Jonas Keller gehört zur zweiten Sorte. Er ist die Hauptfigur eines Romans, an dem ich gerade schreibe – und dieser Post ist der Versuch zu erklären, wie er entstanden ist.

Eine Entscheidung ist erzählerisch erst dann relevant, wenn sie mehr leistet als eine Wahl zwischen Alternativen. Sie muss den Möglichkeitsraum dauerhaft verkleinern. Sie muss Machtverhältnisse verschieben. Und sie muss die Figur etwas kosten.

Der Beginn eines neuen Jahres ist für mich weniger Anlass für Ankündigungen als für eine Standortbestimmung. Dieser Text soll keinen Ausblick im Sinne von Terminen oder Ergebnissen geben, sondern den Rahmen beschreiben, in dem meine Arbeit 2026 stattfindet. Es geht um Arbeitsweise, um Schwerpunkte und um Entscheidungen, die ich treffe – auch wenn sie nicht unmittelbar sichtbar sind.

Nach „Rock Dreams“ fragen mich Leute, welches Instrument ich spiele. Die Antwort überrascht sie: keins. Ich habe nie in einer Band gespielt, nie auf einer Bühne gestanden.
Warum glauben mir Leser die Musikszene trotzdem? Weil technische Akkuratheit nicht dasselbe ist wie emotionale Wahrheit. Und weil ein Freund, der die Szene kennt, mir bei jeder Szene gesagt hat: „Das ist viel harmloser als die Realität.“
Über Recherche, Hochstapelei und die Frage, welche Art von Expertise ein Roman wirklich braucht.

In Rock Dreams gibt es eine Szene, die mir beim Überarbeiten mehr Kopfzerbrechen bereitet hat als jede andere: Tom sitzt nach dem Konzert auf einer Parkbank. Er ist gerade auf der Bühne gedemütigt worden, trägt ein Halsband, das er nicht öffnen kann, und ist vollkommen am Ende. Der Moment, in dem alles zusammenbricht.

Rock Dreams ist nun fast ein Jahr alt. Ich wollte etwas mit euch teilen: eine kleine Szene mit Tom Born. Nicht Teil des Romans, eher ein Blick von der Seitenlinie.
Danke, dass ihr Rock Dreams seit fast einem Jahr begleitet. Ich wünsche euch eine warme, ruhige Adventszeit.

Letzte Woche im Zug nach Zürich: Eine Frau schräg gegenüber im nächsten Sitzabteil lacht laut auf – ungehemmt, befreit. Ich ertappe mich dabei, wie ich sie anstarre. Nicht weil sie zu laut wäre. Sondern weil ich neidisch bin. Auf diese Leichtigkeit, die ich mir selbst nicht erlaube.

Der Sommer klingt langsam aus, das Licht verändert sich, die Tage werden ruhiger. Zwischen Meer, Nachdenken und Neubeginn entsteht Raum für Geschichten – ein guter Moment, um Projekte fortzuführen und neue Wege zu planen.

Du suchst Lesestoff, der bewegt, ohne zu beschweren? Hier findest du Gründe, weshalb „Rock Dreams“ ideal ist – und darüber hinaus weitere Lesetipps für Sommer und heiße Tage.