Zwischen Schnee, Licht und einem flüchtigen Moment

Titelbild zum Artikel „Zwischen Schnee, Licht und einem flüchtigen Moment“. Zu sehen ist in der linken Bildhälfte die Aufnahme einer winterliche Innenstadtszene. Auf dem mit Schnee bedeckten Zürcher Paradeplatz steht auf der linken Seite eine Straßenbahn, während auf der rechten Seite und der Mitte Menschen in Winterkleidung zu sehen sind. Der Himmel ist dunkel, es scheint Abend zu sein. Erleuchtete Fenster in den Häusern, der Tram und Weihnachtsbeleuchtung über der Straße verleihen der Szene eine wohlige Atmosphäre. In der rechten Bildhälfte steht der Titel des Artikels, „Zwischen Schnee, Licht und einem flüchtigen Moment“ in Großbuchstaben und in serifenloser Schrift. Photo © iStock.com/Rafael_Wiedenmeier
Photo © iStock.com/Rafael_Wiedenmeier

Rock Dreams ist nun fast ein Jahr alt. Ich wollte etwas mit euch teilen: eine kleine Szene mit Tom Born. Nicht Teil des Romans, eher ein Blick von der Seitenlinie. Ein Moment, wie er hätte passieren können.

Winter. Zürich. Ein Abend, an dem die Stadt langsamer wird.

Ein Winterabend mit Tom

Es schneite, als Tom die Quaibrücke hinunterging. Nicht stark, aber genug, um die Geräusche um ihn herum zu dämpfen. Er sah kurz nach oben, wo Schneeflocken unter der Strassenlaterne wirbelten. Eine landete auf seiner Nase. Er musste lächeln. Das Interview am Nachmittag war anstrengend gewesen, für morgen war der Soundcheck vorbereitet. Der Abend gehörte ihm.

Passanten eilten an ihm vorbei, Schals hochgezogen, Taschen in der Hand. Die Schaufenster strahlten warm, Weihnachtsbeleuchtung überall. Irgendwo roch es nach gebrannten Mandeln. Die Stadt war geschäftig, trotz der Vorweihnachtszeit. Tom zog den Schal höher. Es war kalt. Aber es war der erste Schnee dies Jahr.

Seine Gedanken wanderten zurück zum Interview: Zu viele Fragen. Zu viele Worte. Warum reichte manchmal nicht einfach die Musik?

Er griff in die Manteltasche. Links das Handy. Rechts die In-Ears, die er fast immer dabeihatte. Seine Gedanken wanderten nach Hause, wo er jetzt vielleicht im Wald wäre. Die Stille wäre gut gewesen. Das gedämpfte Knirschen unter seinen Schuhen. Nur der Schnee.

Aber nicht heute, das hier war Zürich. Tom steckte die Kopfhörer in die Ohren. Scrollte durch die Playlist. Nicht die Bühnenmusik. Nicht die Proben-Sachen. Etwas …

Er blieb bei einem Song hängen. Piano, warm. Klar.

Play.

Die ersten Töne kamen. Er schloss die Augen für einen Moment. Die Stimmen um ihn herum wurden ferner. Sein Atem ging langsamer. Die Anspannung in den Schultern ließ nach.

Dann vibrierte das Handy.

Kurzer Blick. Eine Nachricht.

Elara: Wo bist du?

Tom musste lächeln, ein schiefes, kleines Lächeln. Wärme kroch ihm den Nacken hoch.

Er steckte das Handy wieder in die Tasche. Die Musik lief weiter. Der Schnee sammelte sich auf seinen Schultern. Die Lichter spiegelten sich im nassen Asphalt. Menschen schoben sich an ihm vorbei, aber er war jetzt woanders.

In diesem Moment fühlte es sich gut an.

Das Handy vibrierte noch einmal. Ein Emoji. Ein kleines, goldenes Sternchen.

Elara: Tom?

Tom zog den rechten Kopfhörer raus. Tippte.

Bin gleich da.

Dann ging er weiter. Schnee auf den Schultern, Musik im Ohr. Die Stadt um ihn herum, aber nicht mehr so nah. Sie wartete auf ihn.

Danke, dass ihr Rock Dreams seit fast einem Jahr begleitet. Ich wünsche euch eine warme, ruhige Adventszeit.

Schreibt mir gerne in die Kommentare:
Welche Figur würdet ihr in einem solchen stillen Moment erleben wollen?

— Michael

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